typisch deutsch

In diesen Tagen fragt sich die Presse des öfteren, was denn typisch deutsch ist. Schließlich ist ja 25 jähriges Jubliäum der Wiedervereinigung.

Da bringt die Bild-Zeitung in ihrer „kostenlosen“ Ausgabe für alle Haushalte folgendes Bild hervor, von dem sie behauptet es wäre typisch deutsch:

typisch deutsch bild
Billdbeschriftung (links): „Ein sehr deutsches Motiv … „

Und die deutsche Bahn schreibt in ihrer Zeitschrift mobil drüber, was denn typisch deutsch ist und auch, was denn „die Anderen“ über die Deutschen denken. Das sieht dann so aus.

schrullig deutsch mobil1

schrullig deutsch mobil2

In der Zeitschrift der Bahn bekommen wir darüber hinaus sogar erklärt, was der Chef der deutschen Bahn für typisch deutsch hält:

Was ist an Ihnen typisch deutsch?
Grube:
Typisch deutsch an mir ist zunächst einmal, dass ich schon als Kind gern mit Modelleisenbahnen gespielt habe. Ernsthaft, die sogenannten preußischen Tugenden sind mir schon wichtig: systematisch arbeiten, diszipliniert, pünktlich, fleißig.
Quelle

Man kann sich jetzt fragen, ob die Aussagen für einzelne Personen zutreffen oder nicht. Dann würden einige sagen, dass sie Mettbrötchen zum Frühstück lecker finden und andere würden das Gegenteil sagen. Ich würde hingegen vorschlagen, sich genau darauf nicht einzulassen, sondern möchte eher fragen, ob es überhaupt sinnvoll sein kann bei 82 Mio. Personen von etwas typischem zu sprechen.
Meine Antwort ist natürlich: Nein. Die Unterschiedlichkeit unter den Personen, die hier als deutsch konstruiert werden, ist so groß, dass bei genauerer Betrachtung wahrscheinlich kein einziges „typisches“ Merkmal wirklich typisch nur für Personen mit deutschem Pass sind.

Was soll diese Konstruktion dann? Wem nützt sie?
Und vor allem: Was geht mit solch einer Konstruktion einher? Wer wird durch sie ausgeschlossen?

Zum Ausschluss: Da gibt es also Frau Zimmerling, die seit 26 Jahren in Deutschland lebt, aber ja eigentlich aus Tunesien kommt. Sie lebt seit 26 Jahren in Deutschland (das ist etwa die Hälfte ihres Leben), wird aber als Person herangezogen, die nicht deutsch ist.

Neben den konstruierten „Schrullen der Deutschen“ lernen wir also, dass so ein/e richtige/r Deutsche/r nur ist, wer eben hier geboren wird. Die anderen sind hier irgendwie nur Gast.
Wie schön wäre es, wenn der implizite Denkhorizont der medialen Beiträge hier ein bisschen weiter wäre.