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Karikatur: Angst vor Afrika

Vergangenen Dienstag (11.08.) im Kölner Stadtanzeiger (Seite 4):

Karikatur KSTA 11.08.2015

Abgebildet wird eine schwarze Person mit einem dicken Bauch, die durch Form und Beschriftung den Kontinent Afrika symbolisiert. Ihre Hände um den Bauch erinnern an eine schwangere Frau, was ich als Symbol für eine wachsende Bevölkerung auf dem Kontinent lese. Sie ist größer als ihr Gegenüber, ein weißer Mann, der durch Kleidung und Equipment einen Arzt repräsentiert.

Im Moment der Untersuchung scheint der Arzt erschrocken bzw. beängstigt über das, was er da wahrnimmt. Nicht nur, dass Afrika zur Untersuchung auf den weißen Arzt angewiesen sein soll, es ist zugleich noch so „krank“, dass es für die europäische Union beängistend ist.

Angst fungiert häufig als Nährboden für Rassismus. Die Karikatur transportiert, dass Angst vor Afrika berechtigt ist und schürt diese so zugleich. Dies repräsentiert in keinster Weise die gegebenen (insb. ökonomischen) Machtverhältnisse zwischen Afrika und der europäischen Union!

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen medialen Thematisierung von Flucht und Migration und der Darstellung einer schwangeren Frau in der Karikatur scheint mir, Angst wird hier dahingehend geschürt, dass dieses große Afrika die kleine europäische Union erdrückt bzw. überrennt. Wörter wie „Flüchtlingsstrom“ oder „Flüchtlingsflut“ fungieren medial in gleicher Weise. Europa wird hier als Opfer konstruiert; was wohl kaum der Realität entspricht.

Die Implikationen dieser Karikatur von Europa als Opfer und Afrika als krank liefern die gesellschaftliche Grundlage für die Legitimation von Abschottungspolitik und Rassismus. Sie sind der Nährboden rechter Politik und Parteien.

Ist das, liebe Verantwortliche des KSTA, die politische Haltung, die Sie vertreten bzw. propagieren möchten?

 

 

 

noch niemals in New York

Quelle

Udo Jürgens… Großartig! Heute möchte ich über den Text von „Ich war noch niemals in New York“ schreiben.1
Für alle, die sich während des Lesens nochmal in das Lied einhören/-fühlen möchten (was ich empfehle), gehts hier zum Lied. Der gesamte Text des Liedes steht weiter unten. noch niemals in New York weiterlesen

  1.  Mein Dank gilt Ari, die mich hierauf aufmerksam gemacht hat.

Alltagsrassimus im Mutcamp

Im Kinderkanal (sic!) gibts eine Serie mit dem Namen „Das Mutcamp“. Danke an dieser Stelle für den Beitrag im Migazin, über den ich auf die Serie aufmerksam wurde.
Die Idee: Jugendliche stellen sich ihren Ängsten (Dunkelheit, Spinnen, Höhe etc.) in einem Camp. Der Trailer für die zweite Staffel gibt einen guten Eindruck (es genügen die ersten 90 Sekunden)

Gegen die Idee, dass Jugendliche sich ihren Ängsten stellen, ist an sich nichts einzuweden. Schwierig ist vielmehr die Umsetzung. Warum ist es notwendig, sich seinen Ängsten in Südafrika zu stellen? Hätte nicht die Eifel gereicht? In den Augen der Verantwortlichen braucht es schon allein mut, um in dieses „gefährliche Afrika“ (sic!) zu reisen.

An zwei ausgewählten Stellen lässt sich gut zeigen, welches Bild von Afrika hier transportiert wird. Beispielsweise, wenn die Jugendlichen kurz einmal „helfen“, eine Schule zu streichen (Min. 06:20-09:30; und nochmal ab Minute 15:48-16:34):

https://youtu.be/2yM9i30bZac?t=6m20s

folgende Interpretation wird im o.g. Artikel dazu angeboten:

Die Äußerung der Diplompsychotherapeutin und Betreuerin Shital Balser: „Wir wollen hier den Kindern tatsächlich zeigen: wir kommen, um ihnen zu helfen.“ baut eine klare Hierarchie auf: Die weißen kommen, um den Schwarzen zu helfen. Diese Darstellung fördert Stereotypen und Rassismen und beeinflusst nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die überwiegend jungen Zuschauer durch das unablässige Vorführen rassistischer Wertungen.  Die Äußerungen der Jugendlichen gegenüber der Umgebung vermitteln erneut nur Negatives: Sie beschreiben den Ort als Müllhalde, wo es nicht gut riecht, trostlos ist und wundern sich sogar, dass die Menschen glücklich sind, obwohl ärmste Verhältnisse herrschen. Die groß angekündigte Hilfe besteht letzten Endes darin, dass die Mädchen den Aufenthaltsraum streichen und dabei nicht aufhören zu betonen, wie froh sie sind, den Menschen, die ihnen so leid tun, helfen und etwas in der „tristen“ Umgebung hinterlassen zu können. Das Selbstlob scheint sie anzustrengen, denn nach nur einer Wand (was in ihren Augen „echt viel“ ist), sind sie geschafft und überlassen die Farbe netterweise“ den Gastgebern, damit diese „den Rest machen können“ (Quelle)

Zum Beginn dieser Tätigkeit wird sich dann noch über den zu großen weißen Überzug beschwert (Min. 09:00), aber – sie die Aussage einer Jugendlichen – solange sie etwas Gutes tun kann, würde sie das ja gerne machen. Das zeigt, wie wenig sich eigentlich auf den Kontext, in dem man sich gerade befindet, eingelassen wird.

Als anderes Beispiel lässt sich ein Lebensmitteleinkauf in einem Supermarkt nennen. Die Jugendlichen wollen ein „typisch afrikanisches“ Essen zubereiten und fragen dafür im Supermarkt eine Mitarbeiterin nach einem Gericht:
Siehe ab Minute 08:30 und nochmal ab Min. 14:50 – etwa 16:20
Die Sprache der Verkäuferin wird danach von einem der Jugendlichen als schlecht und seltsam beschrieben.

Direkt im Anschluss können die Zuschauer dann die Zubereitung der Lebensmittel beobachten, die leider auf sehr respektlose Weise geschieht und gezeigt wird. Die Teilnehmer ekeln sich vor den Nahrungsmitteln und äußern sich offen abwertend gegenüber den als „typisch“ und „exotisch“ dargestellten Essgewohnheiten. Es wird weder erklärt, um welche Speise es sich handelt, noch wie normal diese für viele Menschen sind, denn darum geht es nicht. Wichtiger scheint es, das Bild des „ungewöhnlichen“, „abstoßenden“ Lebens der Südafrikaner (wobei wiederum allgemein nur vom „Afrikaner“ gesprochen wird), aufrecht zu erhalten. (Quelle)

Einer der Jugendlichen zeigt sogar auf Tiere im Hintergrund und sagt dazu „Ich glaub die da fressen das sonst“ (Min. 15:30).

Letztlich transportiert die gesamte Serie ein Bild von Afrika als rückständig, dümmlich, eklig, abstoßend und gefährlich. Das ist offener Rassismus, der jeden Tag im Fernsehen für Kinder ausgestrahlt wird und mit z.T. über 200.000 Youtube-Klicks pro Folge auch nicht gerade wenig weit verbreitet ist/wird.

Lieber Kinderkanal und liebe Verantwortliche für diese Serie: Bitte reflektiert stärker eure impliziten Vorannahmen und geht verantwortungsvoller mit der Reproduktion von jegliche Art von *ismus um!

 

Rollen im Auto

Wenns ums Auto geht, sind die Rollen (vermeintlich) geklärt. In der Kleinfamilie fährt? Der Mann! Daneben sitzt? Die Frau! Und die Kinder? Sitzen hinten! Was für Kinder? Natürlich ein Mädchen und ein Junge! Und was machen die Kinder hinten im Auto? Nörgeln! Und wer ist fürs Nörgeln bzw. die Erziehung der Kinder zuständig? Die Frau! Und wer hat einen schlechten Orientierungssinn? Die Frau! Alles klar… Zumindest für die Autowerbung:

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Kampagne gegen geschlechtsdiskriminierende Werbung

Ich stieß auf eine Kampagne die ein Verbot von geschlechtsdiskriminierender Werbung fordert. Ich halte die Kampagne für sehr gut aufbereitet und möchte gerne ein paar der Überlegungen wiedergeben. Kampagne gegen geschlechtsdiskriminierende Werbung weiterlesen

eine „richtige“ Mutter

Am vergangenen Sonntag war Muttertag. Und obwohl der Begriff Mutter eigentlich nur eine biologische Relation bezeichnet, ist er doch mit weitreichenden normativen Vorstellungen einer „richtigen“ oder „guten“ Mutter verbunden. Welche das sind zeigt uns u.a. die folgende Werbekampagne in der erklärt wird, wann eine Mama die beste Mama ist (es genügt die erste Minute):

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