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Rassismus, Nationalismus, Ethnozentrismus

Reisekataloge

Als ich so durch die Stadt spazierte stieß ich auf Kataloge eines Reisebüros. Und bevor ich nun wieder schreibe, was ich an der Gestaltung der Einbände ätzend finde, zuerst eine kleine Aufgabe: Ordne die folgenden Einbände von Reisekatalogen einem Kontinent zu! Zur Auswahl stehen laut Katalogtiteln 1. Asien 2. Afrika & Orient 3. Lateinamerika 4. Australien, Neuseeland & Südpazifik.

Reisekatalog_quizz

Hier kommt die Auflösung: oben: Asien; unten: Lateinamerika; links: Australien, Neuseeland & Südpazifik; rechts: Afrika & Orient. Ich würde mich über einen kurzen Kommentar freuen, ob du – wovon ich ausgehe – alles richtig hattest.

Nun zu den Inhalten, die die Bilder transportieren: In Afrika sind die Menschen eher nackt. In Asien isst man auf der Straße. In Australien etc. ist man sportlich und in Lateinamerika trägt die inidgene Bevölkerung traditionelle Kleidung. Der weiße Tourist mit dem Heft „Round the World“ auf seinen Beinen lässt sich dann auch gerne von einem Kind etwas ins Heft schreiben.

Auch wenn es der Reisekatalog anders aussehen lässt: Es gibt auf dem Kontinent Afrika auch Menschen mit Kleidung. Ja, auch Schwarze! Und man kann sicher auch rund um Afrika Wellenreiten.

Spannend ist noch etwas anderes. Kontinente mit mehrheitlich Ländern des sog. Globalen Südens werden anders dargestellt als Kontinente des Globalen Nordens (siehe hier die Bedeutung von globaler Süden/Norden)

Reisekatalog_globalernorden Reisekatalog_globalersueden

Um für Tourismus in den globalen Süden zu werben braucht es scheinbar Menschen, die phänotypisch konstruiert der Region zugeordnet werden; anders: es braucht die „Einheimischen“. Urlaub im globalen Süden bedeutet wohl auch vermeintlich „fremde Kulturen“ zu besuchen. Tourismus im globalen Norden bedeutet dagegen Aktivurlaub auf eigene Faust. Hier repräsentieren die „Einheimischen“ wohl nicht die Region.

Und während man sich irgendwie bei jedem Bild vorstellen kann, dass es etwas mit Urlaub zu tun hat (Surfen, Essen, Wandern etc.), fragt man sich, wieso das Porträt einer Schwarzen Person mit Urlaub assoziiert wird. Urlaub in Afrika scheint wohl zuerst einmal zu bedeuten, einen schwarzen Menschen zu sehen.

Welche Differenz(re)produktion sollen wir am Ende unbewusst verinnerlicht haben? Im globalen Süden ist die indigene Kultur noch so schön „authentsich“ erlebbar.

Für diejenigen, die bei ihrem nächsten Urlaub und den Berichten über diesen sensibler sein wollen, als es diese Reisekataloge sind empfehle ich die folgende Lektüre: „Mit kolonialen Grüßen … Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet“ (als PDF Download von glokal e.V.)