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Rassismus, Nationalismus, Ethnozentrismus

Pro Kölns „unzensierte“ Propaganda

Auf der Suche nach einem neuen Blogbeitrag schaute ich mal bei Pro Köln vorbei. Dass sich hier leicht Material für den Blog finden lässt ist wohl klar. Deshalb jetzt eine kurze Betrachtung der Infozeitung von Pro Köln, die wie folgt aussieht:

prokoelnunzensiert

Fangen mir mal mit dem Titel der Infozeitung, „Köln unzensiert“, an. Die Darstellung suggeriert ja, dass Pro Köln diejenigen sind, die sagen, was eigentlich zensiert werden würde. Zensur ist schlecht und deshalb sind Pro Köln die Guten. Dank Pro Köln bekommt man also angeblich jetzt gleich die unzensierte Wahrheit geliefert.

Und was ist die Wahrheit von Pro Köln? Dass der Umgang mit Asyl ein „Wahnsinn“ sei, weil jetzt angeblich „hunderte günstige GAG-Wohnungen nur für Asylbewerber“ bereitgestellt werden. Das wird nun wie folgt ausgeführt:

Jährlich gibt die Stadt Köln inzwischen mehr als 100 Millionen Euro für Asylbewerber aus. Trotzdem leistet man sich bei Unterbringung   und Versorgung weiter Luxusrichtlinien über das gesetzliche Maß hinaus. Überall in der Stadt werden deshalb teure Hotels und Pensionen angemietet und beinahe im Wochentakt neue Asylstandorte beschlossen. Und jetzt auch noch das: Auf Druck der Altparteien wird die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG ab sofort jährlich mindestens 200 bis 250 preisgünstige Wohnungen für Asylbewerber abzweigen müssen!
Was für ein Schlag ins Gesicht aller Kölner Familien, die seit Jahren vergeblich auf eine bezahlbare GAG-Wohnung warten! (Quelle)

Die ach so unzensierte Argumentationskette lautet: Die Stadt gibt schon genug Geld für Asylbewerber*innen aus. Diese leben im Luxus. Wöchentlich (sic!) werden neue Asylstandorte beschlossen. Und darüber hinaus wird die GAG gegen ihren Willen gezwungen Wohnungen für Asylbewerber bereit zu stellen. Die Asylbewerber nehmen den Kölner Familien die Wohnungen (diesmal nicht die Arbeit) weg.

Wie viel Geld die Stadt auch immer für Asylbewerber*innen ausgibt, das Wort „trotzdem“ zeigt deutlich an, dass es in der Sicht von Pro Köln genug oder zu viel ist. Darüber hinaus wird die Unterbringung als Luxus beschrieben. Das Wort Luxus transportiert, dass dies unnötig ist. Dass es sich bei der Unterbringung bei Weitem nicht um Luxus handelt sollte klar sein. Und dass es sicherlich nicht „im Wochentakt neue Asylstandorte“ gibt auch.

Interessant ist aber auch, dass die GAG hier als Opfer der Politik dargestellt wird. Sie muss die Wohnungen angeblich abzweigen. Für Pro Köln ist es natürlich selbstverständlich, dass die GAG keine Wohnungen freiwillig an Asylbewerbende vermieten würde.Zugleich wird dies als Schlag ins Gesicht für Kölner Familien interpretiert. An dem knappen Wohnungsmarkt sind somit Asylbewerber schuld. Das ist dann schon ganz nah an bekannten rechten Sprüchen wie „Die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg“.

Und so baut Pro Köln das Bild von nicht dazugehörigen Nutznießer*innen auf, die auf Kosten des Staates im Luxus leben und den Kölner Familien die Wohnungen wegnehmen. So entsteht ein böses „die“ (Asylbewerber*innen) und ein „wir“ (Kölner Familien) das zum Opfer stilisiert wird.

Strukturelle Probleme von Wohnungslosigkeit werden als mögliche Themen von Pro Köln zensiert.