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Sexismus, Gender, LGBTQI

Männerwelten

Es dürfte wohl vielen bekannt sein: das 15-minütige Video mit dem Titel „Männerwelten – Belästigung von Frauen“, das am 12.05.2020 ausgestrahlt wurde. Für diejenigen, die es noch nicht gesehen haben, hier das Video:

Einigkeit besteht wohl in weiten Teilen dahingehend, dass die Problematisierung von alltäglicher sexualisierter Gewalt gegenüber Frauen* zur besten Sendezeit im Fernsehen ein wichtiger Schritt hin zu mehr Aufmerksamkeit für das Thema ist.

Ohne dies in Abrede stellen zu wollen, finden sich aber auch kritische Stimmen zur Umsetzung, von denen ich hier zwei, m.E. zentrale, anführen möchte:

Repräsentation von Frauen*

Es ist klar, dass das Gezeigte nur einen Ausschnitt zeigt. Doch die fehlende Perspektive von LGBTIQ Menschen, Women of Color oder Frauen mit Behinderung ist keine Kleinigkeit. Frauen mit Behinderung sind zwei- bis dreimal so häufig von sexualisierter Gewalt betroffen wie andere. Women of Color werden deutlich häufiger Opfer digitaler Gewalt als weiße Frauen. Diese Frauen hätten im Video zu Wort kommen müssen.

Carolina Schwarz in der TAZ

Mangelnde Selbstreflexion von Joko und Klaas

Als Reaktion auf den Film wurde oft auf ein Video von 2012 verwiesen, in dem Joko und Klaas (in deren Sendezeit „Männerwelten“ stattfand), eine Wette laufen hatten, in der Joko Winterscheidt einer Hostess an Brüste und Hintern fassen sollte, und dies dann auch tat. Klaas Heufer-Umlauf, dessen Idee das gewesen war, fand das sehr lustig und machte Witze darüber, dass die Frau danach sicherlich „sechs Stunden unter der Dusche“ stünde. Die beiden haben sich damals entschuldigt, und man könnte, wie andere prominente Männer, sagen, das ist jetzt aber auch ein paar Jahre her. Aber wie viel besser wäre „Männerwelten“ gewesen, wenn diese Geschichte auch darin vorgekommen wäre?

Margarete Stokowski im Spiegel

Dass nun eine solche Problematisierung sexualisierter Gewalt genau dann derart viral geht, wenn zwei Männer „ihre“ Sendezeit ach so großzügig dafür hergeben, bestätigt wohl die ungleichen Machtverhältnisse. Es zeigt m.E. aber auch, dass es gerade aufgrund ungleicher Machtverhältnisse notwendig ist, eigene Privilegien auch an weniger Privilegierte abzugeben. Übrigens optimalerweise derart, dass nicht am Ende genau jene Privilegierten (hier also Joko und Klaas) das Lob dafür ernten.