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Sexismus, Gender, LGBTQI

gender-Hirne

Neulich in einer Schule sah ich eine Box voller Postkarten mit folgenden zwei Motiven. das Gehirn (2) Auf der Rückseite beider Karten steht ein Hinweis auf einen Schüler*innenwettbewerb. Auf der angegebenen Website steht dann: „Machen Sie mit! Go Ahead und Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann suchen wieder tolle Beiträge zum Thema „Sicherer Schulweg” (…) Das Motto 2015: Helm… ? Läuft ! Sicher zur Schule geht doch.“ (http://www.go-ahead-wettbewerb.de/) Das erklärt dann wohl auch den auf beiden Karten gleichen Satz: „Wäre doch schade drum“ um die Köpfe. Noch viel eher finde ich es schade um die Köpfe der Schüler*innen, dass sie von vermeintlich seriöser Quelle so stumpf mit Differenz-Klischees bombardiert werden. Wie heißt es da so schön treffend von Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“; Das gilt dann auch für Männer.

Es ist wohl eigentlich nicht nötig, noch zu sagen, dass es sehr wohl Männer gibt, die nicht auf „Autos“ und „Zocken“ stehen und bei denen Sex auch nicht das – im obigen Bild gesprochen – größte im Hirn ist. Für Frauen und ihren scheinbar natürlich im Kopf verankertern Hang zu „Beauty & Styling“ gilt das gleiche. Weibliche Hirne sind übrigens eher lila, rosa und rot während männliche Hirne eher blau, grün und grau sind. Der Grafik folgend ist dann Sex auch das Einzige, was Männer und Frauen verbindet. Was für eine peinliche Kampagne.

Umso peinlicher, dass die Schulministerin von NRW Sylvia Löhrmann mit ihrem Namen für diese Kampagne gerade steht. Dass es überhaupt solch eine sexistische Kampagne in Bildungskontext Schule geben kann ist ja schon traurig, aber dass sich Frau Löhrmann auch noch dafür her gibt zeigt entweder, dass sie sich nicht dafür interessiert, was da in ihrem Namen geschieht, oder dass sie diesbezüglich wohl nicht allzu reflektiert ist.

Eine kleine Ergänzung: Ich habe in letzter Zeit öfter die Frage gestellt bekommen, woher ich denn wisse, ob solche Werbung nicht ironisch gemeint sei bzw. die Klischees einfach karikiere. Ich weiß es nicht. Bezüglich der ständigen Reproduktion von Differenz ändert es meiner Meinung nach aber auch wenig, welche Intention dahinter steht. Zumindest fehlt hier jeder Hinweis auf eine Kritik an der eigenen Darstellung. Mal wieder wissen die Schüler*innen jetzt, was sie zu „normalen“ Männern und Frauen macht und dass eine identitäre Verortung als trans oder queer denkbar ist wissen sie nicht.