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Rassismus, Nationalismus, Ethnozentrismus

Flüchtlinge in Köln

Vor wenigen Tagen (24.04.2015) schrieb der Kölner Stadtanzeiger über „Flüchtlinge in Köln: Container kommen nach Sülz, Weiden, Marsdorf und Chorweiler“. Folgendes Bild fungiert als Teaser oberhalb des Textes:

Flüchtlinge in Köln

Als Teasertext dann:

Die Stadt Köln will Notunterkünfte schließen und 700 neue Plätze für Flüchtlinge schaffen. Dafür sollen zunächst Container an vier Standtorten aufgestellt werden: in Marsdorf, Weiden, Sülz und Chorweiler. (Quelle)

Es folgt ein recht sachlicher Artikel über die Planungen zu neuen Unterkünften für Menschen mit Flüchtlings- bzw. Duldungsstatus in Köln.

Es dürfte schon klar sein, worum es mir geht: Um das Bild. Die inhaltliche Dimension des Textes fokussiert überwiegend auf Gebäude, Stadtplanung, Einrichtung und quantitative Bedarfe hieran für Geflüchtete. Das Bild fokussiert hingegen auf fünf Personen, die von hinten abgebildet werden und Plastik- bzw. Mülltüten tragen. Der Hintergrund erscheint eher trist und grau. Ein Zusammenhang besteht nur mittelbar. Und trotzdem erscheint das Bild doch wahrscheinlich nicht automatisch als unpassend. Denn – so der zu kritisierende Subtext des Bildes – hier werden Flüchtlinge abgebildet: Flüchtlinge sind Menschen mit Mülltüten in der Hand.

Ob es sich bei einem Foto von Menschen um Flüchtlinge handelt ist äußerlich unmöglich entscheidbar. Flüchtling sein ist schließlich ein rechtlicher Status, bzw. beschämenderweise in Europa häufig auch die Aberkennung eines Status. Dieser rechtliche (Nicht-)Status lässt sich äußerlich beobachten.

Wir bekommen jedoch vorgeführt, dass Flüchtlinge eben Menschen sind, die mit Mülltüten, Arm in Arm eingehakt in der Öffentlichkeit spazieren. Etwas, das wahrscheinlich bei den wenigsten Menschen in ihrem eigenen Alltag gewöhnlich ist. Wir lernen: Die sind eben anders diese Flüchtlinge.

Bei aller Notwendigkeit zur Vorsicht möchte ich noch etwas weitergehender interpretieren: Es ist naheliegender, gegenüber diesem Bild zu formulieren, man finde dies (und damit Flüchtlinge) als Erscheinungs-Bild in der Öffentlichkeit unschön – eine Argumentation, von der ich mich deutlich distanzieren möchte. Diese Argumentation wäre allerdings weniger naheliegend, wenn wir drei Personen sehen würden, die auf einer Parkbank sitzen und lachen, etwas, was ebenso nur mittelbar mit dem Artikel zusammenhängt. Insofern lässt sich formulieren, dass solche Darstellungen in der Presse zumindest potentiell auch ein Nährboden für Abgrenzung und Ablehnung sein können.

Lieber Kölner Stadtanzeiger: Warum nicht einfach ein Wohngebäude, in dem derzeit Menschen untergebracht werden? Oder ein Foto von dem Platz, an dem ein neues Gebäude errichtet werden soll? Darum dreht sich doch der Inhalt des Artikels.