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Sexismus, Gender, LGBTQI

Feier Hertha

Am 04.07.2015 ist Herthastraßenfest. Alle Autos weg von der Straße und Feiere. Das ist wunderbar und wird mit folgendem Flyer beworben, über den ich schreiben möchte:

Strassenfest_Flyer_Seite_1

Vorab: Ich freue mich auf das Fest und ich werde da auch gerne hingehen, auch wenn ich die im Flyer gewählte Symbolik selbst nicht wählen würde.
Mir geht es in dem Blog ja auch darum, die alltägliche und damit eben auch die unspektakuläre Reproduktion von Differenz aufzuzeigen. Insofern ist das heutige Beispiel keines, über das ich mich groß aufrege oder das ich als völlig unangebracht kritisiere und auch keins, von dem ich glaube, dass es Menschen kränkt. Auch ich musste drüber schmunzeln.

Trotzdem wird mit dem Bild eine Verknüpfung zum Text hergestellt, die nicht zufällig ist, sondern einem bestimmten, gesellschaftlich verbreitetem Bild entspricht. Der Flyer stellt eine Verknüpfung her zwischen Herthastraße > Hertha > Härter > männlich trainierter Oberkörper.

Synonym für „hart sein“ oder „hart feiern“ ist also ein durchtrainierter, männlicher Oberkörper und Fleisch; ein Körper der so heiß und hart ist, dass er als Grill fungiert. Das impliziert eben auch, dass man weich ist, wenn man nicht durchtrainiert ist und vielleicht auch nicht, wenn man als Vegetarier nicht auf Fleisch steht. Nein, härter sein bedeutet in unserer Gesellschaft eben trainiert sein, männlich sein, Grillen und Fleisch essen.

Ich behaupte nun also: Es ist kein Zufall, dass genau ein solcher Oberkörper in Verbindung zur Härte abgebildet wurde. Männer gelten als hart und dementsprechend Frauen als weich.
Auch wenn es kein Zufall ist, bleibt diese Verbindung kontingent, sie ist eben nicht natürlich gegeben und auch nicht unumgänglich. Andere Assoziationen – eben weitaus mehr – wären möglich, sind aber eben unwahrscheinlicher.

Ok, soviel zu alltäglichen Differenz(re)produktionen. Wir sehen uns auf dem Herthastraßenfest, kommt vorbei und feiert Hertha!
Hier geht’s zur Website des Straßenfestes