wunderbarer was bitte?

Es ging ja ganz gut durch die Medien, was der Herr Herrmann (CSU, Innenminister von Bayern) da in „hart aber fair“ gesagt hat:

Ich möchte gerne zunächst etwas zum verwendeten N-Wort schreiben, bevor ich dann auf die Problematik eingehe, die dem gesamten Ausschnitt inhärent ist:

„Das deutschsprachige >N-Wort< geht auf lateinisch niger, spanisch und portugiesisch negro sowie französisch négre zurück, wo es >schwarz< bedeutet. Aus der simplen Farbbezeichnung wurde ein rassifizierendes, sich sprachübergreifend etablierendes Konzept, als im Zuge des kolonialen Großmachtstrebens europäische Mächte Millionen Afrikaner_innen versklavten und zur Legitimierung ihrer Gewaltexzesse den Mythos einer Existenz von >Rassen< kreierten. (…) Ob mit dem >N-Wort< bezeichnete Menschen als >Bindeglied zwischen Mensch und Tier< fungierten, ihnen als Bewohner_innen Afrikas Geschichts-, Kultur- und sogar Sprachlosigkeit unterstellt oder die diversen >Zivilisierungsmissionen< des Kontinents im Kontext kolonialer Gewalt als >Bürde des weißen Mannes< deklariert wurden – all diese Entwicklungen prägten von Beginn an die Bedeutungsgenese des >N.-Wortes< und seine rassistische Aufladung.
(Arndt: Wie Rassismus aus Wörtern spricht; S. 653ff)

Kurz gesagt baut die Bedeutung des Begriffs auf Theorien über „Rassen“ auf, die heute in der Wissenschaft als unhaltbar gelten. Zudem ist der Begriff eng mit Sklaverei verknüpft und beinhaltet abwertende Konnotationen. Noch kürzer: Er ist rassistisch.

Nun finder sich gegenüber diesem Verständnis auch viel Widerstand. Ich kann und möchte nicht auf alles eingehen, aber auf zwei Dinge: Die Möglichkeit der anders gemeinten Bedeutung und zweitens, das Recht auf Selbstbezeichnung.

Man könnte also argumentieren, dass das doch alles lange her ist und Herr Herrmann es nicht so gemeint hat. Nun schreibe ich ja nicht zum ersten Mal, dass die Intention einer Handlung/Aussage nicht entscheidend dafür ist, ob sie als rassistisch gewertet wird. Auch wenn Herr Herrmann es nicht böse gemeint hat, bedient er mit der Verwendung des Begriffs „Rassen“theorien. Bedeutungen sind in Sprache eingelagert. Mit jeder Verwendung des N-Wortes zitiert er so unumgänglich auch die Bedeutung.

Ein zweites Argument gegen die Benutzung des Wortes lässt sich mit dem „Recht auf Selbstbezeichnung“ betiteln. Das N-Wort ist eine Fremdzuschreibung und solche Fremdbezeichnungen sind Ausdruck von Macht und Überordnungen. Jemand nimmt sich das Recht zu sagen, wie andere angeblich „richtig“ heißen. Mit welchem Recht?

Nun zu den Selbstbenennungen:

„Selbstbezeichnungen auf der Grundlage Schwarzer Perspektiven rekurrieren explizit nicht auf weiße Konstruktionen von >Hautfarbe< oder andere damit in Zusammenhang stehende biologistische Erklärungsmuster, sondern auf die Tatsache, dass eben diese rassifizierenden Konstruktionen sozial und politische Positionen geschaffen haben, die strukturell und diskursiv wirkmächtig sind und daher entsprechend benannt und thematisiert werden müssen.“

„Im Deutschen stehen also, je nach Kontext, unterschiedliche, widerständige und vor allem wertfreie Begriffe zur Verfügung. Neben differenzierten regionalen/nationalen Verortungen (z.B. Nigerianer_in, Ghanaer_in oder Kubaner_in) sind die Termini Afrodeutsche_ er, Schwarze_r Deutsche_r oder Schwarz zu verwenden. Darüber hinaus etabliert sich seit etwa einem Jahrzehnt auch der communityübergreifende Begriff >People of Color<, mit dem sich all jene Menschen positionieren, die sich von rassistischen Perspektiven nicht länger als Antithese des Weißseins situiert wissen wollen.“
(Arndt: Wie Rassismus aus Wörtern spricht; S. 656f.)

Ich möchte noch einmal kurz auf das o.g. Video eingehen:
Roberto Blanco, Fußballspieler beim FC Bayern als auch Ranga Yogeshwar werden in dem Video daraufhin betrachtet, dass sie als People of Color (PoC) den Deutschen gut gefallen würden. Was? Warum bitte ist es die Pflicht der genannten Personen den Deutschen (letztlich durch Leistung in Musik, Fußball oder Fernsehen) gut zu gefallen bzw. einigermaßen zu funktionieren? Was ist das für eine Perspektive? Wir lernen implizit: Als PoC wird man in Deutschland nur anerkannt, wenn man sich mit Leistung auszeichnet.