Sensitivity Reading: Diskriminierung abbauen, Repräsentation stärken

Meine exemplarischen Analysen von Produkten und Außendarstellungen in diesem Blog sind eine Form des sensitivity reading. siehe bspw.: Rassistische Mode bei H&M oder Schwarz/Weiß im Fokus

Was ist die Idee von Sensitivity Reading? Sensitivity readers sind Personen, die vor der Veröffentlichung von (zumeist) Büchern hinzugezogen werden, um diese hinsichtlich eines un/angemessen Umgangs mit Diversität zu prüfen. Geschaut wird nach stereotypen oder diskriminierenden Darstellungen von Charakteren bzw. Personengruppen. Auf Basis ihrer Analysen beraten sensitivity readers zu einer angemesseneren Repräsentation von Charakteren und Gruppen.

Zugleich steht sensitivity reading – wie könnte es auch anders sein –
unter der Kritik Zensur zu betreiben, weil nicht mehr alles sag-/schreibbar ist. Gegen diese Kritik mag ich einwenden, dass es nicht um ein Verbot bestimmter Darstellungen geht, sondern darum, bewusst damit umzugehen, wie Personen/Gruppen gezeichnet werden. Stereotype Schreibweisen sind häufig keine Intention der Autor*innen, sondern basieren schlicht auf Unwissen oder nur geringer Sensibilisierung für die Themen Diversität und Repräsentation. Allerdings sind diskriminierende Charakterzeichnungen auch dann noch problematisch, wenn sie auf Unwissen beruhen und „nicht böse gemeint“ waren. Intentionen sind keine notwendige Bedingung für Diskriminierung!

Genau hier setzt sensitivity reading beratend an. Es geht nicht um Zensur (in dem Sinne, dass etwas nicht geschrieben werden darf), sondern um Beratung dazu was ein*e Autor*in da eigentlich alles implizit mit ausdrückt, wenn sie*er so über Charaktere/Subkulturen etc. schreibt. Die Entscheidung für die endgültige Darstellung verbleibt aber bei den Autor*innen.

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