Schwester & Doktor

zu Weihnachten gab es folgendes Geschenk für das Kind einer befreundeten Familie:

In dem Koffer befinden sich auch Aufkleber, die mit Namen beschriftet und zum Spielen auf die Kleidung geklebt werden können:

Zur Auswahl steht: Schwester sein oder Doktor sein.

Warum ist das erwähnenswert? Weil hier nicht einfach zwei gleichwertige Rollen zum Spielen vorgegeben werden, sondern diese Rollen in der Medizin mit sehr unterschiedlichem Prestige und Einkommen versehen sind. Problematisch ist nun, dass diese beiden Rollen hier per Geschlecht zugeordnet werden:

Männlich = Doktor = Prestige = höheres Gehalt.
Weiblich = Schwester = weniger Prestige und geringes Gehalt.

Hier wird nicht lediglich ein Angebot gemacht, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Hier wird vorgegeben, welche gesellschaftliche Erwartung mit der geschlechtlichen Positionierung einhergeht! Männer studieren und werden ‚Doktor‘, Frauen machen eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Vor dem Hintergrund dieses Rollenangebots ist es mindestens unwahrscheinlich, dass Mädchen im Spiel selbstverständlich die Rolle ‚des Doktors‘ einnehmen wollen. Geht man davon aus, dass Kinder gesellschaftliche Erwartungen und Normalitätsvorstellungen auch ‚im Spiel‘ erlernen, wird deutlich, wie hier einmal mehr eine Hierarchie zwischen den Geschlechtern erlernt und reproduziert wird.