Schwarz/Weiß im Focus

it diesem Blogbeitrag zitiere ich lediglich die Analyse von Paul Mecheril zu einem Cover des Magazin Focus. Es handelt sich um eine Kritik die Paul Mecheril im Rahmen eine Rede an dem folgenden Cover geäußert hat:

Cover Focus 01.2016
„… Ich darf Ihnen ein Beispiel für meine Atemnot geben. Das aktuelle Titelbild des Fokus. Wir haben es hier, 8. Januar 2016, mit einer weidlich sexualisierten, pornographischen Darstellung einer Frau zu tun.

Wir sehen den Körper einer nackten weißen, eher jungen, vielleicht 28jährigen, blondhaarigen – ich würde sagen schönen – Frau, deren Brüste von einem quer über ihren Körper verlaufenden roten Balken verdeckt werden, ihre Scham hingegen verdeckt ihre eigene rechte Hand. Ihr Mund ist leicht geöffnet. Auf ihrem Körper sind, den Körper stempelnd, ihn in Besitz nehmend, fünf prankenartige Abdrücke von Männerhänden nicht in blauer, nicht grüner, sondern in schwarzer Farbe, ölig und schmutzig zugleich, zu sehen. Die Titelseite fragt: ZITAT „Nach den Sex-Attacken von Migranten: Sind wir noch tolerant oder schon blind?“

Da bleibt mir die Luft weg: Rassistische Darstellungen und Reden sind im postnationalsozialistischen Deutschland  des 21. Jahrhundert wieder salonfähig. Denn diese Darstellung des Fokus ist rassistisch, weil in reißerischer und aufdringlicher, Affekte generierender Art und Weise Migranten mit Hilfe sexualisierter Darstellungen dämonisiert  werden und darin zugleich ein Wir (Sind wir noch tolerant oder schon blind?) errichtet wird, das weiß ist. Das Titelbild spielt das schwarz–weiß Spiel. Die Anderen: schwarz, handgreiflich, gesichtslos, schamlos, gefährlich, schmutzig. Wir: weiß, rein, gefährdet, zivilisiert, schamvoll, erhaben. Das Wir, das sich fragt, ob es tolerant oder nicht schon blind ist und an das sich der Fokus wendet, besteht aus weißen Frauen, die von schwarzen Migrantenhänden begrapscht werden, und weißen Männer, die „unsere Frauen“ schützen müssen. Der Schutz „unserer Frauen“ vor der Sexualität der anderen Rasse war immer schon Bestandteil rassistischer und zugleich rassistisch-patriachaler Traditionen, unter anderem ein wichtiges Moment beim Lynchen von Schwarzen in Nordamerika. “ (Quelle)

Ich erachte die gesamte Rede von Paul Mecheril als sehr lesenswert.