Sätze für Heteros

Ich hatte mir vorgenommen auch stärker Gesprächsausschnitte aus dem Alltag zu posten. Damit will ich heute starten. Diesmal zum Thema Hetero- bzw. Homosexualität.

Exemplarisch folgender Satz: „Mein Onkel ist auch schwul, ich hab da kein Problem mit.“ Klingt soweit ja ganz unspektakulär. Ist es aber genauso wahrscheinlich, dass zu jemand der folgende Satz gesagt wird? „Mein Onkel ist auch hetero, ich hab da kein Problem mit.“

Wohl kaum. Gerade in der Explikation dessen, dass man kein Problem damit hat, wird aufgerufen, dass man ja eigentlich ein Problem damit haben könnte. Warum eigentlich? Weil es die Abweichung von einer impliziten heteronormativen Ordnung bedeutet.

Um besser zeigen zu können, welche impliziten und z.T. absurden Vorannahmen von Differenz und Normalität in Sprache zum Vorschein kommen werden die folgenden Sätze deshalb genau andersrum dargestellt, als sie eigentlich üblich auftauchen. Sie stammen übrigens nicht von mir, sondern ich habe sie im Internet zusammengesucht:

  • Ich wollte schon immer einen Freund haben der Hetero ist.
  • Wer von Euch ist denn die Frau und wer ist der Mann in der Partnerschaft?
  • Der/Die verhält sich so typisch heterosexuell
  • Hochzeit, Eheringe, Hand-in-Hand auf der Straße – Wieso müssen Heterosexuelle ihr Anderssein nur immer so nach außen hervorheben?
  • Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist? Vielleicht hast du nur noch nicht die/den Richtige/n kennengelernt?
  • Der männlich-heterosexuelle Sexualakt ist zurückzuführen auf ein Geburtstrauma und drückt sich im Wunsch aus, in den Mutterleib zurückkehren zu wollen.
  • Ich treff mich später mit einer Freundin, die ist auch hetero – vielleicht sollte ich euch einander vorstellen?
  • Du bist heterosexuell? Das sieht man dir ja gar nicht an.

Die größte Gemeinsamkeit in den Sätzen sehe ich darin, dass sie alle etwas Bestimmtes hervorheben, das sie genau dadurch als Abweichung von einer implizit angenommenen Normalität markieren. Das Aussehen, das Auftreten oder einfach das Vorhandensein von Homosexualität werden als etwas markiert, das anders und damit abweichend ist. Die als Normalität angenommene Seite der Differenz bleibt zumeist implizit und muss nicht thematisiert werden. Sie ist ja schließlich „normal“. Nur die als abweichend von dieser Norm verstandene Differenz wird markiert.

Man wird am Ende einwenden können, dass es auch Gegenbeispiele gibt; ein Einwand der fast immer funktioniert. Dass beispielsweise auch mal ein heterosexueller Mann gefragt werden könnte, warum er denn glaubt nicht schwul zu sein. Allerdings wird mit solchen Einwänden nur gesagt, dass es nicht immer so sein muss, wie es meistens ist. Diese Möglichkeit will ich auch nicht abstreiten. Gegenwärtig betrachte ich die oben stehenden Beispielsätze allerdings als weniger wahrscheinlich vorkommend.

Quellen:
http://www.queer.de/detail.php?article_id=21909
http://www.huffingtonpost.de/david-berger/schwule-lgbt-vorurteile-sprueche_b_6882066.html
http://hellogiggles.com/18-things-lesbians-never-want-hear/

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