Nein sagen zu den „gierigen Griechen“

Die Bild Zeitung hat dazu aufgerufen, sich mit einer Seite aus ihrer Zeitung selbst zu fotografieren und das ganze an die Bild zu senden. Das sieht so aus:

Quelle: http://bilder.bild.de/fotos-skaliert/93125_20150226_060441-jpg_43741891_mbqf-1424943165-39932980/3,w=985,c=0.bild.jpg

  Auf der Zeitungsseite steht also: „Nein! Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!“

Hier wird einer ganzen Nation eine bestimme, negativ konnotierte, Haltung (gierig zu sein) unterstellt. Das Wort Gier verstehe ich als etwas Übertriebenes, als ein maßloses Verlangen, das laut Bild bei allen Staatsbürger*innen Griechenlands vorhanden sein soll. Ich will in diesem Beitrag garnicht darüber schreiben, ob „weitere Milliarden“ nun angemessen sind oder nicht (obwohl ich Ersteres für richtig halte). Mir geht es darum, dass hier kollektiv („die Griechen“) ein individuelles Fehlverhalten (Gier) unterstellt wird.
Diesen „gierigen Griechen“ stehen dann großzügige Deutsche gegenüber, die jetzt aber mal „Nein!“ sagen. Um nicht unterstellt zu bekommen, dass man egoistisch bzw. unsolidarisch sei, wird deshalb auch gesagt „keine weiteren Milliarden“. Das unterstellt vielmehr, dass die Deutschen ja schon  generös genug gewesen wären. Man könnte auch schreiben: „Wir wollen nicht teilen“ oder: „Wir wollen nicht für ein gesamteuropäisches Problem, an dem wir partizipieren, aufkommen“.

Quelle: http://bilder.bild.de/fotos/aaa-nein_43748588-1424964118-39939786/Bild/2.bild.jpg

Außerdem belässt es die Bild Zeitung ja nicht bei dem Titel, sie startet vielmehr einen Aufruf, sich an diesem Protest zu beteiligen. Dabei geht es wohl offensichtlich nicht um inhaltlich differenzierte Kritik. Die Leser*innen sind ja nicht aufgefordert, einen Kommentar zu schreiben, sie sind aufgefordert sich einem „Wir gegen Die“ anzuschließen.Um es genauer auszudrücken: einem deutschen Wir. Und so finden sich eben viele Menschen, die sich bereitwillig einem solchen deutschen Wir unterordnen und den kollektiv „gierigen Griechen“ ein Nein! entgegen halten.

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