Klassismus u. Cindy aus Marzahn (Klassismus 1)

Kurz vorab: Weil neue Blogbeiträge in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen sind, habe ich mir jetzt überlegt eine kleine Reihe zu einem Thema zu starten. In den nächsten Blogbeiträgen gehe ich näher auf das Thema “Klassismus” ein.

Was ist eigentlich Klassismus

Zunächst ein kurzer Defintionsvorschlag: “Klassismus beschreibt die Diskriminierungsform aufgrund des sozialen Status innerhalb der Gesellschaft. Die Unterdrückung richtet sich gegen die Arbeiter_innenklasse und die sogenannte Armutsklasse. Die Diskriminierung richtet sich gegen Praktiken und Meinungen, denen Menschen bezüglich ihrer sozioökonomischen Klasse zugeordnet werden.” (Quelle)

Cindy aus Marzahn

Zur Veranschaulichung eignet sich die Komödiantion „Cindy aus Marzahn“. So wie fast der gesamte “Witz” von Mario Barth auf Sexismen basiert, basiert der  “Witz” bei Cindy auf der Grundlage von Klassismus:

cindy
(Bildschirmfoto aus Youtube)

Allein ihr Name, der genannte Wohnort Berlin Marzahn und das äußere Erscheinungsbild rufen bereits viele klassistische Stereotype hervor: Die sogenannte “Unterschicht” ist übergewichtig, lebt in sozialen Brennpunkten, hat keinen Geschmack in Punkto Kleidung, Schminke, Schmuck und nutzt Plastiktüten.

Im folgenden Video wird dann immer weiter mit den abwertenden Bildern der Unterschicht gespielt:

Hier wird u.a. thematisiert, dass Cindy langzeitarbeitslos ist, Arbeitslosengeld II (Hartz4) rechtswidrig mehrfach bezieht und täglich bis 14 Uhr schläft. Damit zeichnet sie das stereotype Bild einer Person, die sich durch Sozialmissbrauch auf Kosten des Staates ein “schönes” Leben macht. Zugleich wird Cindy in dem Video als Person dargestellt, die garnicht arbeiten möchte, was auf dem Stereotyp aufbaut, dass nicht die Arbeitsmarktsituation etc. mitverantwortlich für Arbetislosigkeit sind, sondern sie allein durch mangelnde Motivation Schuld an ihrer Arbeitslosigkeit ist. Erst diese stereotype Vorstellung der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit ermöglicht anderen gesellschaftlichen Schichten Menschen wie Cindey als jemand zu kritisieren, die auf Kosten der fleißigen Mittel- u. Oberschicht lebt.

Um deutlich zu machen, wie weitreichend klassistische Stereotype gehen nenne ich noch ein paar weitere Themen/Stereotype, die Cindy bedient: Das Job-Center ist angeblich nicht hart genug im Umgang mit Arbeitslosen; Die Unterschicht lebt ghettoisiert im Plattenbau; Die Unterschicht ist dumm und faul.

Der Fakt, dass das Publikum immer wieder ausgiebig lacht ist der Beweis dafür, dass diese Stereotype gesellschaftlich verbreitet sind. Cindy bedient ein Bild der Unterschicht, das medial bekannt und zugleich voller Abwertungen ist.

Übrigens: Der in Schulen bekannte Satz “Kevin ist kein Name, Kevin ist eine Diagnose” baut genauso auf klassistischen Stereotypen auf und zeigt, wie bereits der Vorame als Ausdruck von Klassenzugehörigkeit interpretiert wird. Cindy, Kevin, Justin als Vornamen zu belächeln funktioniert, weil diese Vornamen in Zusammenhang mit der Unterschicht gebracht werden. Ob Kevin in der Schule dann wirklich durch sein Verhalten auffällt, oder ob das Verhalten von Kevin durch die Lehrkräfte unbewusst abwertend interpretiert wird, ist dann nur noch schwer zu unterscheiden.