Ein Gespräch mit der Kölner Polizei über Differenz

Mein Blogbeitrag Die Polizei lebt Integration (nicht) führte dazu, dass ich am vergangenen Montag zum Gespräch mit der Polizei Köln (Öffentlichkeitsarbeit) eingeladen war.

Ich erklärte noch einmal meinen Blogbeitrag, ein paar grundsätzliche Aspekte zu Differenz und deren (Re)Produktion. Auch versuchte ich die Brisanz eines unreflektierten Umgangs mit Differenzkategorien bei der Polizei aufgrund ihrer Machtposition zu verdeutlichen. So werden aus Differenzkonstruktionen schnell (institutionelle) Diskriminierungen. Siehe bspw. racial profiling.

Und um zu veranschaulichen, dass es sich bei meiner Kritik im letzten Blogbeitrag nicht um einen Einzelfall bei der Außendarstellung der Polizei handelt, habe ich folgende Flyer aus dem Foyer des Polizeipräsidums Köln[1. Es sei an dieser Stelle gesagt, dass die Flyergestaltung nicht nur in der Verantwortung der Kölner Polizei liegt, sondern die Polizei NRW bspw. für die oberen Flyer verantwortlich ist.] zur Veranschaulichung mit ins Gespäch gebracht:

polizei-bewerbung_medium polizei-klientel_medium

Man sieht auf den oberen drei Flyern, wie für die Möglichkeit eines dualen Studiums zum/r Polizeikommissar*in geworben wird. Drei junge, dynamisch wirkende Personen. Ich lese sie als „typische“ Beispiele für Personen, die die Polizei als Bewerber*innen und damit als zukünftige Kolleg*innen ansprechen möchte.

Die beiden unteren Flyer stellen hingegen das Klientel der Polizei dar. In Zusammenhang mit dem Thema „So schützen sie Ihr Kind vor Drogen“ wird zentral eine Frau of Color dargestellt. Auf dem anderen Flyer wird im Zusammenhang mit dem Thema „Straßenraub“ eine Person mit Hoodie dargestellt, die sich bei genauerem Hinschauen (bei all den Schwierigkeiten, die solche Zuschreibungen bergen) auch als Person of Color lesen lässt. Ihr gegenüber wird als Opfer eine weiße Frau gestellt. Ich lese die Person mit dem Hoodie als „typisches“ Beispiel für jemand, der kriminiell ist.

Neben der Differenzlinie race erkenne ich in der Darstellung vor allem eine Unterscheidung von class (Klassismus). Die drei oben tragen Hemd und zumindest die raubende Person auf dem Flyer unten Links trägt einen Hoodie mit Drachenaufdruck.

Wenn man den Schutz des Kindes vor Drogen als Prävention auch von Straftaten interpretiert, dann wird über die Flyer implizit transportiert, dass vor allem people of color straffällig werden. Insgesamt zeigen die Flyer der Polizei so deutlich auf, wer zu ihnen gehört und wer ihr Klientel ist.

Übrigens sind beim Straßenraub laut Flyer und Website immer Männer die raubenden Täter und Frauen immer die beraupten Opfer.

Die drei Personen der Polizei Köln, mit denen ich am Montag sprach, erschienen mir bezüglich der problematischen Implikationen der Flyer sowohl einsichtig als auch dankbar für die kritische Rückmeldung. Ich habe mich über die grundsätzlich signalisierte Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Differenzsensibilität bei der Kölner Polizei gefreut, ging aber trotzdem mit gemischten Gefühlen aus dem Gespräch. Mein Eindruck: Differenz- und Diskriminierungssensibilität ist grundsätzlich gewünscht. Die m.E. dafür notwendigen zeitlichen und monetären Ressourcen (bspw. Schulungen u. Beratungen) sind aber angeblich nicht bzw. nur sehr begrenzt vorhanden.[2. Trotzdem danke für das Gespräch]