Das N-Wort #2

Aus gegebenem Anlass möchte ich auf einen weiteren Fall hinweisen, der nahtlos an meinen letzten Blogbeitrag – wunderbarer was bitte? – anschließt. In dieser Woche hat sich ein Kölner Karnevalsverein umbenannt:

Von „Mülheimer N.“ in Müllemer Klütte. Das ist sicherlich grundsätzlich betrüßenswert, bleibt aber leider halbherzig. Warum das so ist, erklärt die gemeinsame Presseerklärung der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und das AntiDiskriminierungsBüro (ADB) Köln:

Der neue Name des Vereins zeigt jedoch, dass diese Einsicht fehlt. Klütte ist kölsch und heißt übersetzt Brikett. Es wird jedoch auch als diskriminierende Bezeichnung für Schwarze Menschen gebraucht und stellt somit keine Verbesserung dar. Das Logo zeigt zudem graphisch ein Gesicht, das an die rassistische Tradition des „blackfacing“ erinnert, und Schwarze Menschen mit Bezugnahme auf ihre Hautfarbe karikiert.

„Bedauerlicherweise hat der Verein die Chance verpasst, Interessensvertretungen bei der Namens- und Logowahl mit einzubeziehen.“ bemerkt Tahir Della von der ISD. „Dies hätte gezeigt, dass es dem Verein tatsächlich um Respekt und Partizipation sowie Vermeidung von Ausgrenzung und rassistischen Beleidigungen gegangen wäre.“ so Della.

Die gesamte Presseerklärung findet sich hier.

Dass auch der Kölner Stadtanzeiger unkritisch hiermit umgeht zeigt ein Artikel vom 12.09.2015. Hier zeigen sich auch schön die Argumentationsmuster der Beschuldigten. Bekannt ist beispielsweise das Argument, dass die Kritik doch „maßlos übertrieben“ sei. Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass hier Personen etwas als übertrieben bewerten, die nicht von der Diskriminierung betroffen sind. Sie sprechen damit zugleich Betroffenen das Recht ab, selbst zu entscheiden, ob sie sich „angemessen“ verletzt fühlen. Mit welchem Recht bitte?