Der Blog

Schwester & Doktor

zu Weihnachten gab es folgendes Geschenk für das Kind einer befreundeten Familie:

In dem Koffer befinden sich auch Aufkleber, die mit Namen beschriftet und zum Spielen auf die Kleidung geklebt werden können:

Zur Auswahl steht: Schwester sein oder Doktor sein.

Warum ist das erwähnenswert? Weil hier nicht einfach zwei gleichwertige Rollen zum Spielen vorgegeben werden, sondern diese Rollen in der Medizin mit sehr unterschiedlichem Prestige und Einkommen versehen sind. Problematisch ist nun, dass diese beiden Rollen hier per Geschlecht zugeordnet werden:

Männlich = Doktor = Prestige = höheres Gehalt.
Weiblich = Schwester = weniger Prestige und geringes Gehalt.

Hier wird nicht lediglich ein Angebot gemacht, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Hier wird vorgegeben, welche gesellschaftliche Erwartung mit der geschlechtlichen Positionierung einhergeht! Männer studieren und werden ‚Doktor‘, Frauen machen eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Vor dem Hintergrund dieses Rollenangebots ist es mindestens unwahrscheinlich, dass Mädchen im Spiel selbstverständlich die Rolle ‚des Doktors‘ einnehmen wollen. Geht man davon aus, dass Kinder gesellschaftliche Erwartungen und Normalitätsvorstellungen auch ‚im Spiel‘ erlernen, wird deutlich, wie hier einmal mehr eine Hierarchie zwischen den Geschlechtern erlernt und reproduziert wird.

Sensitivity Reading: Diskriminierung abbauen, Repräsentation stärken

Meine exemplarischen Analysen von Produkten und Außendarstellungen in diesem Blog sind eine Form des sensitivity reading. siehe bspw.: Rassistische Mode bei H&M oder Schwarz/Weiß im Fokus

Was ist die Idee von Sensitivity Reading? Sensitivity readers sind Personen, die vor der Veröffentlichung von (zumeist) Büchern hinzugezogen werden, um diese hinsichtlich eines un/angemessen Umgangs mit Diversität zu prüfen. Geschaut wird nach stereotypen oder diskriminierenden Darstellungen von Charakteren bzw. Personengruppen. Auf Basis ihrer Analysen beraten sensitivity readers zu einer angemesseneren Repräsentation von Charakteren und Gruppen.

Zugleich steht sensitivity reading – wie könnte es auch anders sein –
unter der Kritik Zensur zu betreiben, weil nicht mehr alles sag-/schreibbar ist. Gegen diese Kritik mag ich einwenden, dass es nicht um ein Verbot bestimmter Darstellungen geht, sondern darum, bewusst damit umzugehen, wie Personen/Gruppen gezeichnet werden. Stereotype Schreibweisen sind häufig keine Intention der Autor*innen, sondern basieren schlicht auf Unwissen oder nur geringer Sensibilisierung für die Themen Diversität und Repräsentation. Allerdings sind diskriminierende Charakterzeichnungen auch dann noch problematisch, wenn sie auf Unwissen beruhen und „nicht böse gemeint“ waren. Intentionen sind keine notwendige Bedingung für Diskriminierung!

Genau hier setzt sensitivity reading beratend an. Es geht nicht um Zensur (in dem Sinne, dass etwas nicht geschrieben werden darf), sondern um Beratung dazu was ein*e Autor*in da eigentlich alles implizit mit ausdrückt, wenn sie*er so über Charaktere/Subkulturen etc. schreibt. Die Entscheidung für die endgültige Darstellung verbleibt aber bei den Autor*innen.

Mehr zum Thema:

Rassistische Mode

In den letzten Wochen ist H&M mit einem Pullover in die Schlagzeilen geraten:

https://financialpostcom.files.wordpress.com/2018/01/ad.jpg

Der Hoodie mit der Aufschrift „coolest monkey in the jungle“ wird von einem Schwarzen Jungen getragen und knüpft so an rassistische, evolutionsbiologische ‚Theorien‘ an, die Schwarze Menschen als Tiere bezeichnen. Hierzu Lorenz Narku Laing:

Das Bild vom Schwarzen als Affen ist zurückzuführen auf eine überholte wissenschaftliche Annahme sogenannter „rassenkundlicher Institute“ in der westlichen Welt. Es wurde das krude evolutionsbiologische Argument vertreten, Afrikaner stünden den Affen besonders nah. Bereits zuvor bezweifelte David Hume ihre Vernunftbegabung und Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Die rassistische Vorstellung, der Mensch sei in seiner größten Vollkommenheit im weißen Menschen, findet sich leider schon bei den deutschen Aufklärern wie Immanuel Kant. Diese „volkskundlichen“ Argumentationen sind oftmals geschlossene Systeme der Welterklärung und stehen im Widerspruch zu modernen, wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und noch heute begegnen mir Menschen mit diesem Irrglauben. Wir müssen diese Formen biopolitischer Argumentation eine Ideologie nennen! (Quelle)

Zwar hat sich H&M für das Produkt entschuldigt und dieses aus dem Sortiment genommen, allerdings bleibt zu kritisieren, dass es ein solches Produkt überhaupt ins Sortiment schafft, ohne jemals zuvor problematisiert zu werden.

 

 

Ringvorlesung zu postkolonialen und rassismuskritischen Theorien und Gender

Für all jene, die Donnerstags von 16:00 – 17:30 Uhr in Köln Zeit haben, weise ich gerne auf eine Ringvorlesung an der Uni Köln hin:

 

Ras(s)terungen“
Ringvorlesung zu postkolonialen und rassismuskritischen Theorien und Gender

Ort: Hörsaal H 113 im IBW Gebäude (211)

 

„Bereits in den letzten beiden Semestern befassten sich die GeStiK Ringvorlesungen mit Fragen von Gewalt, Diskriminierung, Ausgrenzung und Marginalisierung. In Kooperation mit dem Arbeitskreis race, gender, class in Forschung und Lehre widmet sich die Veranstaltung in diesem Semester dezidiert mit dem Konnex von Kolonialismus/Rassismus und Sexismus/Heteronormativität. In den Blick geraten sollen dabei nicht nur die Problematisierung von Wissens(chafts)diskursen und – verständnissen, sondern auch die Frage der Repräsentation eine zentrale postkoloniale Frage. Neben einer Einführung in einerseits postkoloniale und rassismuskritische Theorien sowie andererseits die Verflechtung von „Rasse“ mit Geschlecht und Heteronormativität soll auch auf die Marginalisierung der Rolle von Schwarzen Akteurinnen/Akteurinnen of Color in sozialen Bewegungen und im Wissenschaftsbetrieb aufmerksam gemacht werden. Denn die nach wie vor stark eurozentrisch ausgerichteten Wissens(chafts)systeme, die ein „weiß – normatives Welt- und Menschenbild“ naturalisieren und perpetuieren, lassen sich nicht losgelöst vom akademischen Prekariat von Rassismuserfahrenden in Deutschland thematisieren. Eingeladen sind daher Schwarze Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlerinnen of Color bzw. Rassismuserfahrene aus ganz Deutschland, um in postkoloniale, rassismuskritische und intersektionale Theorieansätze aus deren Perspektive einzuführen und zugleich die Ambivalenz von strategischen Essentialismenund der Existenz einer “black theory” zu diskutieren, die sich zwischen politischer Notwendigkeit und der Gefahr der Re-Essentialisierung bewegen. Spivak zufolge ist es das Ziel, ein Denken und Handeln außerhalb des essentialistischen Diskurses zu erreichen, “[b]ut strategically we cannot” (Spivak: The post-colonial critic, S. 11) –was dies heißt, wird Gegenstand der Vorträge und Diskussionen sein“ (Quelle).

Sexismus im Sport

Es ist länger her, dass ich mir die Zeit genommen habe, einen Blogbeitrag zu schreiben. Während der olympischen Spiele in Rio habe ich allerdings öfter darüber nachgedacht über Sexismus im Sport bzw. in der Berichterstattung darüber zu schreiben. Gründe gab es genug. Hier nun ein kleiner Video-Beitrag von der Ney York Times dazu:

Dass die Tour de France in Sachen Sexismus kein Stück besser ist, wird jeden Tag aufs neue auf dem Treppchen bewiesen: Indem Frauen einzig als Zierde für Männer fungieren:

Quelle 

Quelle

Quelle

Erster Beitrag der Vortragsreihe

Die Vortragsreihe „Pädagogische Praxis, Differenz und soziale Ungleichheit“ startet mit dem ersten Beitrag
am 06. April 2016 um 18:30 Uhr:

Also, für mich sind wir alle gleich?! Privilegienreflexion im Kontext der pädagogischen Arbeit

Friederike Reher, Köln u. Leipzig

Beschreibung:
Menschen sind verschieden, betonen intersektionale Ansätze. Sie sind verschieden geprägt durch Diskriminierungen ( z.B. klassistische, rassistische, heterosexistische, cis-sexistische und körperliche). Aber nicht nur die in pädagogischen Settings Begleiteten, sondern auch die mit ihnen zusammen arbeitenden pädagogischen Fachkräfte erleben verschiedene Diskriminierungen. Wo es Diskriminierte gibt, gibt es auch immer Diskriminierende. Immer nur die anderen? Entgegen der verbreiteten Ausrichtung, allein auf die Diskriminierten zu fokussieren, wird eine Blickwinkelverschiebung hin zu den Diskriminierenden vorgenommen. Menschen in ihrem strukturellen Einbezogensein (z.B. als Cis-Frau, Hetera, Weiße_, Bildungsprivilegierte_, körperliche Befähigte_ usw.) handeln oft auch unbewusst diskriminierend. Wie können wir so solidarisch und egalitär handeln, wie wir es uns wünschen? Dazu bedarf es Mut und Bereitschaft zur bewussten Reflexion von Diskriminierungs-Mechanismen. Wenn wir bei uns selbst ansetzen, können wir dazu beitragen, den Alltag von Menschen, die Diskriminierung erfahren müssen, positiver zu gestalten.

Ort: Seminargebäude Uni Köln (Gebäude 106) Raum S13; Universitätsstraße 37, 50931 Köln

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

 PDF für Druck u. Weiterleitung

Schwarz/Weiß im Focus

Mit diesem Blogbeitrag möchte ich lediglich die Analyse von Paul Mecheril zu einem Cover des Magazin Focus zitieren. Es handelt sich um eine Kritik die Paul Mecheril im Rahmen eine Rede an dem folgenden Cover geäußert hat:

Cover Focus 01.2016

„… Ich darf Ihnen ein Beispiel für meine Atemnot geben. Das aktuelle Titelbild des Fokus. Wir haben es hier, 8. Januar 2016, mit einer weidlich sexualisierten, pornographischen Darstellung einer Frau zu tun.

Wir sehen den Körper einer nackten weißen, eher jungen, vielleicht 28jährigen, blondhaarigen – ich würde sagen schönen – Frau, deren Brüste von einem quer über ihren Körper verlaufenden roten Balken verdeckt werden, ihre Scham hingegen verdeckt ihre eigene rechte Hand. Ihr Mund ist leicht geöffnet. Auf ihrem Körper sind, den Körper stempelnd, ihn in Besitz nehmend, fünf prankenartige Abdrücke von Männerhänden nicht in blauer, nicht grüner, sondern in schwarzer Farbe, ölig und schmutzig zugleich, zu sehen. Die Titelseite fragt: ZITAT „Nach den Sex-Attacken von Migranten: Sind wir noch tolerant oder schon blind?“

Da bleibt mir die Luft weg: Rassistische Darstellungen und Reden sind im postnationalsozialistischen Deutschland  des 21. Jahrhundert wieder salonfähig. Denn diese Darstellung des Fokus ist rassistisch, weil in reißerischer und aufdringlicher, Affekte generierender Art und Weise Migranten mit Hilfe sexualisierter Darstellungen dämonisiert  werden und darin zugleich ein Wir (Sind wir noch tolerant oder schon blind?) errichtet wird, das weiß ist. Das Titelbild spielt das schwarz–weiß Spiel. Die Anderen: schwarz, handgreiflich, gesichtslos, schamlos, gefährlich, schmutzig. Wir: weiß, rein, gefährdet, zivilisiert, schamvoll, erhaben. Das Wir, das sich fragt, ob es tolerant oder nicht schon blind ist und an das sich der Fokus wendet, besteht aus weißen Frauen, die von schwarzen Migrantenhänden begrapscht werden, und weißen Männer, die „unsere Frauen“ schützen müssen. Der Schutz „unserer Frauen“ vor der Sexualität der anderen Rasse war immer schon Bestandteil rassistischer und zugleich rassistisch-patriachaler Traditionen, unter anderem ein wichtiges Moment beim Lynchen von Schwarzen in Nordamerika. “ (Quelle)

Ich erachte die gesamte Rede von Paul Mecheril als sehr lesenswert.

Klassismus u. Jilet Ayse (Klassismus 2)

Im letzten Blogbeitrag zeigte ich auf, was Klassismus ist und welche Themen konkret dabei angesprochen werden.

Dass Klassismus sehr häufig in einen Zusammenhang mit Zuschreibungen ethnischer Zugehörigkeit stehen habe ich bisher nicht thematisiert. Das liegt vor allem daran, dass sich Cindy aus Marzahn nicht auf diese Verknüpfung von Ethnie und Klasse bezieht. Dass aber Zusammenhänge zwischen Unterschicht und bestimmten zugeschriebenen Ethnien vorgenommen werden zeigt uns beispielsweise dieses Zitat von Jürgen Rüttgers:

Jürgen Rüttgers (CDU, ehem. Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, 2009): “Im Unterschied zu den Arbeitnehmern hier im Ruhrgebiet kommen die in Rumänien eben nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da. Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen, und wissen nicht, was sie tun.” (Quelle) Klassismus u. Jilet Ayse (Klassismus 2) weiterlesen

Klassismus u. Cindy aus Marzahn (Klassismus 1)

Kurz vorab: Weil neue Blogbeiträge in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen sind, habe ich mir jetzt überlegt eine kleine Reihe zu einem Thema zu starten. In den nächsten Blogbeiträgen gehe ich näher auf das Thema “Klassismus” ein.

Was ist eigentlich Klassismus

Zunächst ein kurzer Defintionsvorschlag: “Klassismus beschreibt die Diskriminierungsform aufgrund des sozialen Status innerhalb der Gesellschaft. Die Unterdrückung richtet sich gegen die Arbeiter_innenklasse und die sogenannte Armutsklasse. Die Diskriminierung richtet sich gegen Praktiken und Meinungen, denen Menschen bezüglich ihrer sozioökonomischen Klasse zugeordnet werden.” (Quelle)

Cindy aus Marzahn

Zur Veranschaulichung eignet sich die Komödiantion „Cindy aus Marzahn“. So wie fast der gesamte “Witz” von Mario Barth auf Sexismen basiert, basiert der  “Witz” bei Cindy auf der Grundlage von Klassismus:

cindy
(Bildschirmfoto aus Youtube)

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Als Trans*person ins Schwimmbad

Diese Woche erreichte mich über einen Mailverteiler ein Aufruf zur Unterzeichnung eines offenen Briefs an die Betreibenden der Berliner Bäder.

Ich teile diesen Aufruf einerseits um ihn zu verbreiten und andererseits um zu verdeutlichen, wie gewaltsam wir uns in dieser Gesellschaft an die Idee der eindeutigen Zweigeschlechtlichkeit klammern. Zum Inhalt des offenen Briefs (gekürzt):

„Am Dienstag, den 03.11.2015 besuchte eine Schwarze Trans* Person um 11 Uhr in Begleitung einer Person das Stadtbad Neukölln. Beide Personen entschieden sich entsprechend ihrer Positionierung, aber auch, weil keine anderen Möglichkeiten vorhanden sind, den Frauenbereich der Umkleidekabinen zu nutzen. In der Umkleidekabine kam es zu sich wiederholenden und erheblichen An- und Übergriffe durch anwesende Badegäste.
Es handelte sich hierbei um die Erzieherin einer Kita-Gruppe, welche das Stadtbad Neukölln ebenfalls nutzte. Die Schwarze Trans* Person wurde von der Erzieherin darauf hingewiesen, sich in der “falschen” Umkleidekabine zu befinden und aufgefordert, diese umgehend zu verlassen. Nachdem die Schwarze Trans* Person sich gegenüber der Erzieherin mehrmals positionierte und auf ihr Recht, sich in dieser Umkleidekabine aufzuhalten und diese nutzen zu dürfen, aufmerksam machte, wurde sie von der Erzieherin körperlich daran gehindert die Tür der Einzelumkleidekabine zu schließen. Die Erzieherin begann des weiteren die Schwarze Trans* Person zu beleidigen, zu beschimpfen und anzuschreien. Darüber hinaus wurde die Schwarze Trans* Person von der Erzieherin immer wieder als „junger Mann“ bezeichnet und als eine Gefährdung für die anwesenden Kinder dargestellt, was zu keinem Zeitpunkt gegeben war, da diese lediglich versuchte, das Angebot des Schwimmbades zu nutzen.“ (Quelle)

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typisch deutsch

In diesen Tagen fragt sich die Presse des öfteren, was denn typisch deutsch ist. Schließlich ist ja 25 jähriges Jubliäum der Wiedervereinigung.

Da bringt die Bild-Zeitung in ihrer „kostenlosen“ Ausgabe für alle Haushalte folgendes Bild hervor, von dem sie behauptet es wäre typisch deutsch:

typisch deutsch bild
Billdbeschriftung (links): „Ein sehr deutsches Motiv … „

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