Sensitivity Reading: Diskriminierung abbauen, Repräsentation stärken

Meine exemplarischen Analysen von Produkten und Außendarstellungen in diesem Blog sind eine Form des sensitivity reading. siehe bspw.: Rassistische Mode bei H&M oder Schwarz/Weiß im Fokus

Was ist die Idee von Sensitivity Reading? Sensitivity readers sind Personen, die vor der Veröffentlichung von (zumeist) Büchern hinzugezogen werden, um diese hinsichtlich eines un/angemessen Umgangs mit Diversität zu prüfen. Geschaut wird nach stereotypen oder diskriminierenden Darstellungen von Charakteren bzw. Personengruppen. Auf Basis ihrer Analysen beraten sensitivity readers zu einer angemesseneren Repräsentation von Charakteren und Gruppen.

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Klassismus u. Jilet Ayse (Klassismus 2)

Im letzten Blogbeitrag zeigte ich auf, was Klassismus ist und welche Themen konkret dabei angesprochen werden.

Dass Klassismus sehr häufig in einen Zusammenhang mit Zuschreibungen ethnischer Zugehörigkeit stehen habe ich bisher nicht thematisiert. Das liegt vor allem daran, dass sich Cindy aus Marzahn nicht auf diese Verknüpfung von Ethnie und Klasse bezieht. Dass aber Zusammenhänge zwischen Unterschicht und bestimmten zugeschriebenen Ethnien vorgenommen werden zeigt uns beispielsweise dieses Zitat von Jürgen Rüttgers:

Jürgen Rüttgers (CDU, ehem. Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, 2009): “Im Unterschied zu den Arbeitnehmern hier im Ruhrgebiet kommen die in Rumänien eben nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da. Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen, und wissen nicht, was sie tun.” (Quelle) Weiterlesen „Klassismus u. Jilet Ayse (Klassismus 2)“

Klassismus u. Cindy aus Marzahn (Klassismus 1)

Kurz vorab: Weil neue Blogbeiträge in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen sind, habe ich mir jetzt überlegt eine kleine Reihe zu einem Thema zu starten. In den nächsten Blogbeiträgen gehe ich näher auf das Thema “Klassismus” ein.

Was ist eigentlich Klassismus

Zunächst ein kurzer Defintionsvorschlag: “Klassismus beschreibt die Diskriminierungsform aufgrund des sozialen Status innerhalb der Gesellschaft. Die Unterdrückung richtet sich gegen die Arbeiter_innenklasse und die sogenannte Armutsklasse. Die Diskriminierung richtet sich gegen Praktiken und Meinungen, denen Menschen bezüglich ihrer sozioökonomischen Klasse zugeordnet werden.” (Quelle)

Cindy aus Marzahn

Zur Veranschaulichung eignet sich die Komödiantion „Cindy aus Marzahn“. So wie fast der gesamte “Witz” von Mario Barth auf Sexismen basiert, basiert der  “Witz” bei Cindy auf der Grundlage von Klassismus:

cindy
(Bildschirmfoto aus Youtube)

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Als Trans*person ins Schwimmbad

Diese Woche erreichte mich über einen Mailverteiler ein Aufruf zur Unterzeichnung eines offenen Briefs an die Betreibenden der Berliner Bäder.

Ich teile diesen Aufruf einerseits um ihn zu verbreiten und andererseits um zu verdeutlichen, wie gewaltsam wir uns in dieser Gesellschaft an die Idee der eindeutigen Zweigeschlechtlichkeit klammern. Zum Inhalt des offenen Briefs (gekürzt):

„Am Dienstag, den 03.11.2015 besuchte eine Schwarze Trans* Person um 11 Uhr in Begleitung einer Person das Stadtbad Neukölln. Beide Personen entschieden sich entsprechend ihrer Positionierung, aber auch, weil keine anderen Möglichkeiten vorhanden sind, den Frauenbereich der Umkleidekabinen zu nutzen. In der Umkleidekabine kam es zu sich wiederholenden und erheblichen An- und Übergriffe durch anwesende Badegäste.
Es handelte sich hierbei um die Erzieherin einer Kita-Gruppe, welche das Stadtbad Neukölln ebenfalls nutzte. Die Schwarze Trans* Person wurde von der Erzieherin darauf hingewiesen, sich in der “falschen” Umkleidekabine zu befinden und aufgefordert, diese umgehend zu verlassen. Nachdem die Schwarze Trans* Person sich gegenüber der Erzieherin mehrmals positionierte und auf ihr Recht, sich in dieser Umkleidekabine aufzuhalten und diese nutzen zu dürfen, aufmerksam machte, wurde sie von der Erzieherin körperlich daran gehindert die Tür der Einzelumkleidekabine zu schließen. Die Erzieherin begann des weiteren die Schwarze Trans* Person zu beleidigen, zu beschimpfen und anzuschreien. Darüber hinaus wurde die Schwarze Trans* Person von der Erzieherin immer wieder als „junger Mann“ bezeichnet und als eine Gefährdung für die anwesenden Kinder dargestellt, was zu keinem Zeitpunkt gegeben war, da diese lediglich versuchte, das Angebot des Schwimmbades zu nutzen.“ (Quelle)

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Karikatur: Angst vor Afrika

Vergangenen Dienstag (11.08.) im Kölner Stadtanzeiger (Seite 4):

Karikatur KSTA 11.08.2015

Abgebildet wird eine schwarze Person mit einem dicken Bauch, die durch Form und Beschriftung den Kontinent Afrika symbolisiert. Ihre Hände um den Bauch erinnern an eine schwangere Frau, was ich als Symbol für eine wachsende Bevölkerung auf dem Kontinent lese. Sie ist größer als ihr Gegenüber, ein weißer Mann, der durch Kleidung und Equipment einen Arzt repräsentiert.

Im Moment der Untersuchung scheint der Arzt erschrocken bzw. beängstigt über das, was er da wahrnimmt. Nicht nur, dass Afrika zur Untersuchung auf den weißen Arzt angewiesen sein soll, es ist zugleich noch so „krank“, dass es für die europäische Union beängistend ist.

Angst fungiert häufig als Nährboden für Rassismus. Die Karikatur transportiert, dass Angst vor Afrika berechtigt ist und schürt diese so zugleich. Dies repräsentiert in keinster Weise die gegebenen (insb. ökonomischen) Machtverhältnisse zwischen Afrika und der europäischen Union!

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen medialen Thematisierung von Flucht und Migration und der Darstellung einer schwangeren Frau in der Karikatur scheint mir, Angst wird hier dahingehend geschürt, dass dieses große Afrika die kleine europäische Union erdrückt bzw. überrennt. Wörter wie „Flüchtlingsstrom“ oder „Flüchtlingsflut“ fungieren medial in gleicher Weise. Europa wird hier als Opfer konstruiert; was wohl kaum der Realität entspricht.

Die Implikationen dieser Karikatur von Europa als Opfer und Afrika als krank liefern die gesellschaftliche Grundlage für die Legitimation von Abschottungspolitik und Rassismus. Sie sind der Nährboden rechter Politik und Parteien.

Ist das, liebe Verantwortliche des KSTA, die politische Haltung, die Sie vertreten bzw. propagieren möchten?